1. Mai: Shit happens…

Lohnarbeit entwerten!

Der Erste Mai ist wie die Arbeiterbewegung, die diesen Tag begründete, schon lange nicht mehr das, was er einmal war. Auch in Bamberg und Hof wurde uns diese Realität wieder einmal in aller Deutlichkeit vor Augen geführt. Neben „den drögen Gewerkschaftsaufmärschen oder der Klassenkampfsimulation linker Splittergruppen am 1. Mai“ (Stephan Grigat) – ersteres in Bamberg, zweiteres in Nürnberg, gab es noch den Versuch in Hof einen neofaschistischen Aufmarsch zu blockieren. Keine Aktion im Rahmen des „Kampftags der ArbeiterInnenklasse“ kann aus unserer Sicht als Erfolg gewertet werden.

Der 1. Mai in Bamberg

Um 9:30 begann der alljährliche Demonstrationszug des DGB zum Gabelmann, wo schon alles festlich dekoriert für die Maifeier und alles für die Reden vorbereitet wurde. Von den DemonstrantInnen waren keine Forderungen in Form von Demosprüchen etc. zu hören, das Einzige, was stets zu hören war, waren die Samba-Klänge der vom DGB engagierten Musikgruppe – in den kurzen Spielpausen durfte mensch sich an den Redebeiträgen der MLPD „erfreuen“. In diesen Pausen versuchten wir auch durch das Rufen von Demosprüchen auf unsere Kritik am Arbeits- und Staatsfetischismus aufmerksam zu machen.

Auf der Kundgebung ging es mit den Redebeiträgen munter weiter, GewerkschafterInnen forderten den Staat auf, gegen prekäre Arbeitsverhältnisse vorzugehen und appellierten immer wieder an den Staat und die Regierenden. Also an die Parteien und Institutionen, deren Politik auf Sozialabbau und Verarmung beruht. Insgesamt waren die Reden sehr kämpferisch und damit entgegengesetzt zur Praxis der DGB-Gewerkschaften (siehe auch den Artikel auf infranken.de). Wünschenswerter wäre aus unserer Sicht eine Rede wie die der Nürnberger GenossInnen gewesen, die nicht nur auf Restauration des Bestehenden, sondern auf dessen Überwindung abzielt.

Unsere Basisgruppe war auch mit einem Infostand vertreten und verteilte neben Materialien des Bundesverbandes auch ein eigenes Flugblatt. Gegen Mittag verließen wir dann die Mai-Kundgebung Richtung Hof.

Besser shoppen

An dieser Stelle möchten wir allen Menschen danken, die uns etwas für unsere politische Arbeit gespendet haben, sich mit uns unterhalten haben und Interesse an unseren Positionen und Material gezeigt haben.

Der 1. Mai in Hof

Der Erste Mai in Hof dieses Jahr war wohl einer der peinlichsten und demotivierensten Tage in der Geschichte der Naziblockaden. „Kommt alle zum friedlichen Widerstand“, wie es in dem Aufruf des Hof ist Bunt Bündnisses heißt wurde wohl so verstanden, dass die NeofaschistInnen ihre menschenverachtenden Vorstellungen ungestört propagieren dürfen. Nachdem einige AntifaschistInnen schon nach wenigen Stunden in die Gefangenensammelstelle gebracht wurden, trafen weitere Aktive aus unserer Basisgruppe ein um sich an der Blockade der Naziroute zu beteiligen. An einem der Blockadepunkte angekommen war schnell klar, dass die Vorraussetzungen für erfolgreiche Blockaden nicht ausreichen. Die Nazis zogen unbehelligt durch die Straßen und waren mit Lautsprecherwagen und Parolen lauter als die mitlaufenden NazigegnerInnen, die durch laute Rufe und Parolen den Nazis zu zeigen versuchten, dass diese Weltanschauung und ihre AnhängerInnen unerwünscht sind.

Als dann auch die Polizei den AntifaschistInnen verwehrte, die Nazis weiter mit Rufen zu begleiten und eine Blockade nicht mehr möglich war, blieb nur noch nach Hause fahren oder sich auf dem bürgerlichen Straßenfest den „Hof ist bunt“-ProtagonistInnen anzuschließen und ohne jede antifaschistische Ambition das schöne Wetter zu genießen – während die NeofaschistInnen weiterhin in Hof ihren Menschenhass propagieren.

Möge das „Hof ist bunt“-Bündnis diesen Tag auch als Erfolg gewertet haben – immerhin wurden ja reichlich Bratwürste und Bier verkauft – als AntifaschistInnen sollte er uns zu denken geben. Zwar waren die Möglichkeiten einer genauen Planung der Blockadepunkte eingeschränkt und erschwert, da mensch von der Stadt keine Informationen bekam, dennoch hätten sich mehr blockierwillige Menschen in Hof befinden müssen, dass die Straße nicht den Nazis und ihrer Propaganda gehört.


1 Antwort auf „1. Mai: Shit happens…“


  1. 1 Berichte vom ersten Mai | fepix Pingback am 04. Mai 2012 um 19:49 Uhr
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